13.12.2006

“I’m on standby
Out of order or sort of unaligned
Powered down for redesign
Bye bye”

Kürzlich: Der Wodka hat dich genau drei Tage liegen lassen. Drei Tage zuviel. An Tag eins hast du den Muskelkater im Schritt kuriert, an Tag zwei eine schmutzige Träne verdrückt, an Tag drei nur noch die bekotete Straße angestarrt. Ob du das nötig hast, wirst du seitdem jeden Tag gefragt. Ja, hast du nötig. Im Dezember knallt das in dein Leben, was du das ganze Jahr verabsäumt hast. Es entweder unterdrückt hast oder vor lauter dämlich-in-die-sonne-glotzen schlichtweg verpasst hast. Das macht soweit nichts. Dein Puls fühlte sich ja auch angenehm an, deine Hände griffen sich (meist) immer das genau Richtige (warm, vertraut). Ende November guckst du noch immer abgeklärt durch die Gegend, langweilst dich jedoch ein bisschen mehr als den Rest des Jahres. Du siehst verstörter aus als noch im Juli. Deine Haut ist ganz fahl und dein Blick bohrt sich nur noch starr in dein Gegenüber. Der Alkohol schmeckt dir. Unverändert. Es gibt kein wirkliches Problem. Auf die Frage, was du an Silvester machst, kannst du immer noch antworten: „Ich fahr nach Bombay“. Was also tun? Nichts. Es nur Dezember werden lassen. Alles geschehen lassen und dann immer so tun, als würde das alles nur mit dir geschehen. Du brauchst dich nur vor unklugen Leuten zu rechtfertigen. Im Dezember lügt man, laut Statistik, mehr als in drei Jahren zusammen. Du zitterst trotzdem bei jeder einzelnen, das Würgen dabei ist jedoch weniger geworden. Es ist was los in und an deinem Körper. Erinnerst du dich an letztes Jahr in der heiligen Kirche in der heiligen Nacht? Zusammengekrümmt und mit den Füßen scharrend? Über schiefe Stimmen grinsen war vorgestern. Jetzt nur nicht mit Mutter weinen. Um genau die letzen vier Wochen. Trotzdem züchtest du weiter deinen Buckel, er erscheint dir lieblich und kaum kümmerlich. Und während du den zehnten Witz an diesem Abend reißt, die Gesichter zu einem anregenden Brei verschwimmen, deine Beine gar nervös anfangen zu tänzeln, fällt dir dein geiles Grinsen im Spiegel über der Bar auf. „Ja genau, zwei kleine aus der Flasche da oben, zweite von links, drittes Regal, sieht gut aus, nehmen wir.“ Alles mitnehmen, bisschen was wegwerfen. Und ja kein Johanniskraut im Dezember.

Nina Nüchtern

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