6.12.2006

Saudade, Hikikomori und andere Dezember-Symptome

In einem Dezember der spätsommerlichen Anwandlungen haben es die mit Schwermut Geschlagenen oft nicht leicht, sich für einen Leidensweg zu entscheiden. Bei Temperaturen von 16 Grad aufwärts überfällt einen die Portugiesische Melancholie, andererseits ist der Weihnachtsmonat traditionell die Zeit, in der einen nichts nach draußen drängt und man seine ohnehin schon ausgeprägte Veranlagung zum sozialen Autismus in den schönsten Blüten sprießen lässt. Saudade! möchte man manchentags leise in sich hinein brüllen, wenn man mit dem Pullover über der Schulter unter goldlaubigen Kastanien flaniert. Und dann verspürt man anderntags nicht das geringste Aufbäumen, obwohl man sich nicht aus der Bettstatt geschält hat. Es hätte ohnehin keinen Sinn. Hikikomori sagen sie in Nippon, aber das ist dem Johanniskrautabhängigen natürlich längst ein alter Hut, dem selbst Telefonieren zur existenziellen Anstrengung gerät. Nichts läutet. Das Nichts läutet.

Menschensmerkels

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