8.3.2006

Das war ja eigentlich klar: Wieder einmal ist die ARD Restdeutschland ein gutes Stück voraus. Am Mittwoch wurde in der Serie In Aller Freundschaft ein Junge mit „dem gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1“ angesteckt. Schuld war der Papagei von Omi. Das rief natürlich den treuherzigen Naturschutzbund auf den Plan, der sich um die kleinen Piepmätze in Kinderzimmern und Altenheimen sorgte.

Passend dazu die Meldung vom Donnerstag, dass immer mehr Gefieder und Katzen aus Angst vor der Vogelgrippe in Tierheimen abgegeben werden.

Die Lösung des Problems kam jetzt aus unerwarteter Richtung. Alles sei nur eine Frage der Raumaufteilung: Die Katzen- und Vogelkäfige würden zusammengelegt und die ARD berichtete in Der Lindenstraße mal wieder brandaktuell über unterirdische Verhältnisse in deutschen Tierheimen, schlug Herr Geißendörfer, in einem Vier-Augen-Gespräch, dem Vorsitzenden des Deutschen Ornithologenverbandes vor.

Lobster

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Raus aus der Gosse, rein in die Glosse

Die Tage werden kürzer, der Hämatologe bescheinigt Blutarmut, das nervöse Zucken im linken Auge will nicht nachlassen – was hilft? Johanniskraut und Poesie. Besser noch Poesie über, um und mit Johanniskraut. Am besten selbst aufgebrüht.

Das Rezept stellt Ihr aus, die Apotheke sei Euch das Glossarium. Schickt den Falschen Freunden Eure Verschreibungen.

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13.04.1850

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Die weit und breit rühmlichst bekannten und bewährten ECHTEN OHREN-MAGNETE (á Paar mit Gebrauchs-Anweisung in elegantem Carton verpackt 1 Thlr.) welche ein vorzüglich schnelles Heilmittel gegen Kopfleiden aller Art, rheumatische Zahnschmerzen, Ohrenreißen und Harthörigkeit sind, so wie Goldbergers THERMO-ELEKTRISCHE FINGERRINGE in allen Größen (á Stück mit Gebrauchs-Anweisung erster Qualität 1 Thlr., zweiter Qualität 20 Ggr.) die mit vielem Nutzen gegen Schreibkrampf, Zittern und Schwäche in den Händen, so wie zur Stärkung und Kräftigung der Finger- und Handmuskeln und Nerven, ohne jede Unbequemlichkeit getragen werden, sind in Hamburg nur bei dem Herrn J. Heimerdingen, Neuerwall No. 28, stets echt und unverfälscht zu den festgestellten Fabrikpreisen vorrätig, und werden, als ihrem Zweck vollkommen entsprechend, zur geneigten Abnahme bestens empfohlen.

T. J. Goldberger

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19.12.2006

Stefan Hentschel, einer der letzten Geraden unserer schönen Nachbarschaft, ist abgetreten.

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30.11.2006

Selbstportrait und Masochismus – ein internationaler Kongress.

Tagesordnung:

1.)  Vorstellung des Arbeitskreises Pädophobie im Kindesalter.

Da hat man es nicht leicht als Rezitator bester Spaghettiwestern-Leitsätze. Argumentiert man: Du siehst aus wie ein ausgekotztes Stinktier, wird man gleich in die Analyseabteilung sozialverträgliches Frühableben gesteckt. Und dort sieht man schnell mal aus wie ein nassgepisster Pinguin.

Lobster

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14.10.06

Zwiesprache mit einer Herde junger schwarz-bunter Rinder.
(Urlaub in der Heimat II)

Der gestrige Abend im „Recall“ war nett, bis ich meine Begleiter verlor, weil ich mich stundenlang mit einem alten Lehrer – Weißt Du, ich habe einen Hang zu Suchtverhalten – unterhielt. Interessant, interessant. Dafür war ich dann um halb drei im Bett und fühlte mich nur ein ganz kleines bisschen einsam, so alleine in dem praktischen Einfamilienhaus in der gepflegten Wohngegend mit Kanalblick.

Heute dann also früh aufstehen – für einen Samstag jedenfalls nicht spät –, einen Tee, dann ins Auto, rauf aufs Land. Natürlich nicht einfach so, sondern dahin, wo es schön ist. An die Treene.

Hier stehe ich am Deich, hinter mir das mäandernde Flüsschen, vor mir eine Herde Rinder, die mich mit ihrem Cowboy verwechselt und laut blökend Silage verlangt. Immer größer wird der pöbelnde Mob, der sich jenseits des Gatters in einem Halbkreis um mich schart. Ich habe etwas Angst beobachtet zu werden, als ich ihnen von meinem gestrigen Abend berichte. Jenseits des Zaunes Unverständnis.

Nach einer Viertelstunde bin ich es leid, stecke mir eine Ernte an, steige ins Auto, suche mir eine Pferdekoppel.

Lobster

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11.10.2006

Aha-Erlebnisse (Folge 2): Johnny B.

Mittwochmorgen, Autoradio.

..when you wake up it’s a new morning,
the sun is shining it’s a new morning
and you’re going, you’re going home.

Ach so, ja, Rafferty, auf NORA. Naa, nee, weiter.
Kurdischkauderwelsch auf FSK. Weiter.
Phil Collins auf NDR 2. Weiter.
Radio Hamburg. Moment…Daniel?
Jetzt aber mal innegehalten, mal wirklich andächtig hingelauscht.

..is travelling tonight on a plane
I can see the red tail lights heading for Spain
Oh and I can see Daniel waving goodbye.

Mensch Onkel Elton, Du. Verdammtes Pop life. Warum ‚Lion King‘, oder das Diana-Tribute, Herr je, und diese furchtbare neue Scheibe erst? Macht einen ja fertig so was. Dass das immer so und immer nur so kommen muss. Vielleicht weiß Sting ja warum.
Weiter.

Tide 96.0. Fade-out Johnny And Mary (neulich doch erst gedacht, dass die neue Zoot-Woman-Gitarristin ’simply irresistable‘ aussieht), Fade-In Moderator:

Es ist eine schlaflose Nacht, sie ruft Deinen Namen
Es ist eine einsame Fahrt, ich weiß, wie sehr Du sie willst
Wieder und wieder jagst Du einem Traum nach, ja
Aber Johnny, mein Freund, sie ist nicht, was sie scheint.

Van Rensburg

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23.7.2006

Langschläfer, pflichfertige Störenfriede und mordgierige Somnambule

Irgendwann zwischen 1933 und 1938 beschrieb Sebastian Haffner im Feuilleton die Schrecken des Langschlafens. Furchtbar beginne jeder Tag mit dem Gebrüll des Weckers, den der Langschläfer durch eine Gewalttat zum verstummen bringe. „Wie ein mordgieriger Somnambule tappt der Arm des Aufgestörten aus dem Kissen, den pflichtfertigen Störenfried zu erwürgen. Ist es getan, so sinkt der Langschläfer mordsatt und beruhigt noch einmal in den schweren, trotzigen Schlaf des Mannes zurück, der seinen Feind erschlagen.“

Zu Zeiten der WM und der späten Torerfolge brauchte es nicht einmal eines Weckers um Mordgelüste zu empfinden. Diese richteten sich nun allerdings gelegentlich gegen einen anderen pflichtgetreuen Störenfried; in den Medien „Fan“ getauft. Dieser hatte es mit seinen Jubelgesängen über Sieg oder Niederlage – ganz egal – geschafft, den Langschläfer seiner üblichen Nachtbeschäftigung, dem kontemplativen Wachen, zu berauben. Den letzten Rückzugsort des Langschläfers, die Nacht, hatte er nun auch noch an diesen niederen Gesellen verloren, der nun in gewohnt überzogener Erfüllung seiner Pflichten seinen Herrschaftsbereich auch noch auf die Stunden zwischen Mitternacht und Morgengrauen auszudehnen trachtete.

Zum Glück ist jetzt alles wieder vorbei. Der Frühaufsteher schläft wieder „den Schlaf der Gerechten“ anstatt nachts trötend und jubelnd durch die Straßen zu ziehen. Der Langschläfer kann sich nachts wieder auf die Straße trauen und in schummrigen Kneipen subversiven Tätigkeiten nachgehen, um sich mental auf die feindliche Welt der Frühaufsteher vorzubereiten, in der er seine Einkäufe vor 20:01h erledigt haben muss.

Sebastian Haffner: Das Leben der Fußgänger. Feuilletons 1933-1939. Herausgegeben von Jürgen Peter Schmied. Carl Hanser Verlag, München / Wien, 2004.

Lobster

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22.06.2006

Aha-Erlebnisse (Folge 1): Albers vs Quinn

Neulich im Sailor’s Inn.
Der Quinn konne wenichstens sing! Der Albers, der hat ja immär nur so veralkt genööölt, so rumgemault. Hat man ja of gar nich vers’tehen könn, den Albers.
Mag sein, mag sein. Abär der Quinn, der war immär son Schmierlappen, so ne uns’tete Vertretertype, Steuerbetruch und einsame Hausfrauenherzen brechen, das konn er. Hat die Jungens hübsch aufs Schiff gedudelt und is dann bei deren Mädels beigegang. Von wegen Seemann und so…Fremdenlegionär war der. Hat dem Araber ein vorgeklampft. Un hätt der Roland ihn Vierunfuffzich nich entdeckt, dann würd der sich heute noch inne Washington Bar ein feddich machen! Na, sympathisch war mir der jedenfalls nie.
Ja – der Albers denn?? Mit seiner ‚Komm mol auf Onkel Hannes sien Schouß‘-Tour? Schön war das doch auch nich, ma ellich, ma aus heutiger Sicht. Das sollte ich ma bringen auf der nächsten Familienfeier, das blutjunge Ding von Nichte zum Klönschnack auf meine Schenkelschaukel bitten, da würd meiner Schwägerin glatt der Budderkuchen vonne Gabel klödern, das sach ich dir abär, und die Sitte wär auch schon längst alarmiert!
Nu hör abär auf, das kanns doch so gar nicht sagen, das waren doch ganz andere Zeiten, damals nachm Kriech, da waren die Deerns auch einfach noch nicht so vorlaut, da wurde man nich gleich schief angeguckt, wenn man der Lütt’n vom Nachbarn mal n Klaps auf den Po gegeben hat. Das gehörte doch früher zum guten Ton!
Is das, is das. Aber eins darfs nich vergessen, und da ist dann der Wech von Onkel Hannes auch gar nich mehr weit zu Quax Rühmann, dem ollen Nazischergen. Diese Pädohetze hats doch in den Fuffzigern auch schon gegeben. Rühmann, dieser Handlanger, dieser Klapps’tuhl, in Es geschah am hellichten Tach. Ganz heikle Kiste damals, ach was, immär heiß, immär heikel! Und dem addeligen Fröbe hat man die Rolle doch eins zu eins abgekauft. Kanns mir doch nich erzählen, dass der nicht… Ach, Kinderschänder – da sach‘ ich immär, erschossen gehören die!

Oder lebenslang Hans Albers aussen Zellenradio.

(Protokolliert von) Menschensmerkels

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16.4.2006

Sturmtief 980.
Dogger.
Abschwächend.
Ooostziehend.
Ausläufer 1005.
Deutsche Bucht.
Unwetterwarnung bei…
Skaggerak, Kattegat.
Und dann geht man los. Man sollte sich bei Regen nicht auf dem Campus rumtreiben. Trostloser Ort ohnehin schon. Man sollte bei Schlechtwetter eigentlich überhaupt nicht aus dem Haus gehen, schon gar nicht, wenn es wirklich etwas zu erledigen gilt. Gestern, heute, morgen – Hoffnungen und Sorgen. Und so geht man doch. Gehetzt eilt man durch den Regen, das Haar wird hässlich nass (denn natürlich verbietet sich ein Metroknirps), nämlich nur obenauf, man fröstelt. Und fängt trotzdem an zu schwitzen, unter den Achseln und am wetterfühligen Rücken. So kalter Schweiß. Man verflucht, am Morgen zu viel Kaffee getrunken zu haben, wie man überhaupt alles zu verfluchen beginnt. Es ist unerträglich, unerträglich und ab-so-lut würdelos. Man hätte wirklich zu Hause bleiben, einfach nichts erledigen sollen, bei Regen, friedlich und allein vor sich hin fluchend.

(Wie’s Goldtmaxerl einst schrieb: Man sollte nicht „man“ sagen, wenn man „ich“ meint.)

Metamerkels

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